Antreten zum Morgenappell

Ein ganz normaler Alltag, wie er bei jedem Erdenbewohner aussehen könnte - nicht ganz! Das ist mein Alltag.

Dienstag, unchristliche Zeit in Magdeburg

Wie fast jeder Tag blieb es mir auch heute nicht vergönnt auszuschlafen. Es erwartete mich ein weiterer drister Tag im Büro, aber vorher sollte noch eine angenehme Busfahrt anstehen. Die Zeit war immer noch unchristlich als ich schließlich in irgendeinem Kuhkaff im Landkreis Börde an der Haltestelle saß. Im Prinzip nichts Aufregendes machen viele Millionen andere Erdenbewohner auch. Nur mein nach sinnloser Gewalt schreiendes Unterbewusstsein ist nicht normal aber in meiner Verfassung durchaus nachvollziehbar. Da saß ich nun und der Regen fiel in grauen Fäden zu Boden, zu meiner linken und rechten Seite - Kinder! Junge Kinder, ältere Kinder, kleine Kinder, große Kinder - und dazwischen ich! Jeder der mich kennt, kann sich nun ein Bild machen wie es aussah mich dazwischen sitzen zu sehen. Mein Blick stur geradeaus gerichtet, den Regen nahm ich nur als Schleier war, meine Umgebung tauchte in brodelndes Blut welches aus den Leibern der umherstehenden Kindern spritzte - natürlich nur eine visuelle Fiktion! Aber es machte mich wahnsinnig Glücklich, dass sie nicht wussten, dass neben ihnen ein wahnsinniger Triebtäter sitzt. Und ja sie hätten es verdient, dieses ganze Glückliche Getue hatte mir noch nie sonderlich gefallen. Und warum müssen Zweitklässler sich leidenschaftlich Umarmen als hätten sie sich ein Jahr nicht gesehen. Das haben die bestimmt aus den Medien und an dieser Stelle möchte ich meinen Kollegen Herrn Lüdenscheidt zitieren: "Kinder sind wie Primaten. Und was machen Primaten? Sie äffen nach!" Ich sehe mich schon als Feinstoffliches Wesen, Tag für Tag und Jahr für Jahr, die Jahrtausende überdauernd an dieser Haltestelle stehen. Die Blagen kommen und gehen, reifen heran und nehmen an Größe zu. Die Brüste wachsen, das erste Piercing, vielleicht schon bald das erste Tattoo. Mit etwas Pech, Reene-Friseur und Springerstiefel mit weißen Schnürsenkeln. Die Zukunft ist nicht bunt - sie ist Braun. Grauenvoll, aber machen wir uns mal nichts vor. Die Idioten schaffen wir uns doch selbst.

Wie wir nun erfahren haben, fröne ich manchmal Gewaltphantasien, aber ich leben sie nicht aus. Nach wie vor gilt meine Devise: "Leben und leben lassen!" Einige Nazis ausgenommen. Aber um wieder der Realität ins Auge zu blicken - die Gewalt auf den Straßen nimmt doch stetig zu. Gefällt einem deine Nase nicht, wird mit 10 - 15 Mann auf ein eingeprügelt, bis man sich schließlich nicht mehr rührt. Und das ist keine visuelle Fiktion! Das macht mir Angst.
zurück   vor