Wie ich so am Kacken war...

…alles begann doch recht harmlos und ich frage mich auch nicht mehr wie es überhaupt dazu kam. Immer anständig und nie was Schlimmes denkend verließ ich die MS "Saale" am Heiligabend in Kostheim unterhalb der Schleuse. Die Beine trieben mich zum Bahnhof um von dort aus nach Frankfurt am Main zu fahren. Frankfurt ist schon eine imposante Stadt, nicht das ich mich in ihr je wohl fühlen könnte, aber sie übt doch einen gewissen Reiz auf mich aus. Noch ein anderer Umstand trieb mich ausgerechnet zu Heiligabend von Bord, ich musste dringend aufs Klo. Ja natürlich gibt es auch auf der MS "Saale" ein Klo, aber die Spülung ist noch lange nicht das was man eine Spülung nennen darf. Sie schafft es jedenfalls nicht meine Bedürfnisse runterzuspülen. Unseren Damenbesuch an Bord wollte ich nicht das Mittagessen verderben, daher dachte ich mir, dass sich die Stadt Frankfurt mit meinen Exkrementen beschäftigen darf.

Man sagt immer: "Der Weg ist das Ziel! " Aber in diesen besonderen Fall verfluchte ich den Weg schon nach wenigen Metern. In Kostheim am Bahnhof wurde ich schon immer unruhiger. Ich konnte kaum noch gerade stehen und das Sitzen verstärkte den Druck auf die Schokopforte nur noch mehr. Ein Himmelreich für ein Klo, schrie es in mir. Aber weder Gott noch irgendein Teufel, wovon es in unserem Lande genug gibt, erhörte mein Flehen. So schleppte ich mich in Frankfurt angekommen mühselig und schon von einem Schwindel erfasst durch den Bahnhof. Nichts, kein Klo prangert mich von weiten an! Auf irgendeine Schnitzeljagd nach einem Klo wollte ich mich auch nicht einlassen, so verließ ich den Bahnhof. Diese sagenhafte Metropole wird ja wohl neben den ganzen Wolkenkratzern und Bordellen auch öffentliche Klos zu bieten haben. Dachte ich mir, aber auch hier eine herbe Enttäuschung. Etwas kam mir vor dem Frankfurter Bahnhof bereits bekannt vor. Trotz der Blässe im Gesicht und dem Schwindel erkannte ich zu meiner Rechten die Straßen in denen man das horizontale Bedürfnis befriedigen konnte. Dort mein anderes Bedürfnis befriedigen zu können war mehr als fraglich. Nachher muss die Prostituierte wegen üblen Geruchs auch noch schließen und ich habe die ganzen Unkosten am Hals. So entschied ich mich für die Rechte Seite von Bahnhof ausgesehen. Dort kannte ich mich noch nicht aus und eiligen Schrittes ging ich auf eine Straße zu, die mir am Nächsten lag. Edle Hotels erschlossen sich mir. Die Entscheidung fiel mir nicht schwer. Meridian Parkhotel, einen sinnlicheren Namen trägt bis auf meine Freundin nur noch mein Geschlecht. Aber darauf möchte ich hier nicht weiter eingehen.

"Nicht lange nachdenken, sondern die Offensive ergreifen", hieß das Fazit! Also mit Springerstiefel und einer abgetragenen Lederjacke rein ins Hotel. Ein kurzes Höfflichkeitsgeplänkel mit dem Typen vom Foyer und den mir beschriebenen Weg zu den Klos eingeschlagen. Ah, endlich. Eine hygienischere Einrichtung erlebt man selten. Groß und geräumig. Hier mangelt es nicht an Kleingeld. Die Erste Schüssel war meine. Erleichterung machte sich breit! Doch nach nicht mal fünf Minuten die nächste Überraschung.

Hastige Schritte vor den Klos. Ich konnte gar nicht lange darüber nachdenken was sie zu bedeuten hatten und schon wurde ich angesprochen. "Äh, Sie gehören aber nicht zum Hotel, oder!? ", rief mich eine unsichere Stimme an. "Nein! " Was soll man auf so was antworten, ich musste halt einfach aufs Klo! Aber so ein unwissender Bürger wie ich kennt ja nicht die Tücken einer Metropole wie Frankfurt am Main. "Ja, hätten Sie das nicht draußen machen können?" Diesmal klang die Stimme schon selbstbewusster und fieberhaft überlegte ich wie ich das hätte anstellen sollen und vor allem wohin. Mich hatte es tatsächlich die Sprache verschlagen, konnte man denn nicht mal in Ruhe kacken gehen. "Wie, was, ich mache hier nichts", stotterte ich vor mich hin. Ich wollte noch empört rufen, ob ich bei denen vor der Tür im Blumenkasten kacken soll, aber ließ es schließlich bleiben. Zu tief saß der Schock in mir. Das Kacken war mir jedenfalls vergangen. "Ja, gut! Wir warten auf Sie! " Die Situation wurde ja immer peinlicher, ich musste hier raus! Schnell den Hintern abgewischt und das Klo verlassen. Und die besitzen noch die Frechheit mir frohe Weihnachten zu wünschen. Gedemütigt zog ich wieder los. Aber mein Revier habe ich markiert.
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